Lernkonzept und Kompetenzerwartungen

Der direkte Bezug zum Thema des Wissenschaftsjahres 2018 – Arbeitswelten der Zukunft drängt sich auf den ersten Blick nicht auf, denn der Film HIDDEN FIGURES – UNERKANNTE HELDINNEN bewegt sich ja – gemessen am Tempo des technischen Fortschritts – weit in der Vergangenheit und noch weiter entfernt von der Zukunft. Auch mit Blick auf die politischen Rahmenbedingungen werden die Zuschauer/innen in eine andere Welt versetzt: Gesellschaftsmodelle, zu deren Selbstverständnis die Rassentrennung gehört, gelten hier und heute zwar als überwunden, Rassismus und Diskriminierungen gibt es allerdings nach wie vor. In einer historischen Umgebung lassen sich solche auch aktuell relevanten Verhaltensweisen und Handlungsmuster oft klarer erkennen.

Die drei Protagonistinnen des Films verfolgen mit Intelligenz und Entschlossenheit – und jede auf ihre Weise – das Ziel, beruflich einen wichtigen Schritt nach vorne zu gehen. Sie zeigen, wie man sich dabei gegen Widerstände durchsetzen, wie man Vorbehalte und Selbstzweifel prüfen und dann doch abschütteln kann. Die Botschaft lautet stark vereinfacht: Steh zu deinem beruflichen Interesse – auch wenn es um dich herum viele nicht nachvollziehen können oder sie dich sogar davon abhalten wollen.

Die Figuren und ihre Strategien, ihre Lust zu kämpfen und sich einzubringen, bilden die Brücke zum Heute. Und sie machen den Film so spannend und mitreißend. Aus diesem Grund bieten die Unterrichtsmaterialien den Schülern/innen die Gelegenheit, sich den drei weiblichen Protagonistinnen in einer arbeitsteiligen Gruppenarbeit anzunähern (Arbeitsmaterial B 4.1 – B 4.3). Eine vierte Gruppe setzt sich mit den beiden weißen Vorgesetzten von Katherine Johnson auseinander (Arbeitsmaterial B 4.4), eine fünfte kann sich mit den physikalisch-technischen Problemen der ersten Raumfahrtprojekte beschäftigen (Arbeitsmaterial B 4.5).

Die drei Protagonistinnen werden als Schwarze, aber auch als Frauen am Zugang zu wesentlichen beruflichen Positionen und gesellschaftlichen Angeboten ausgeschlossen. Dies thematisiert Arbeitsmaterial B 5, das zugleich eine Brücke in die Gegenwart schlägt, indem es nach geschlechtsspezifischen Präferenzen für Ausbildungsberufe fragt. Weitere Unterrichtsmaterialien unterstützen die Vorbereitung auf den Film (Arbeitsmaterial B 1), die Auswertung (B 2) und die historische Einordnung (B 3).

„Kompetenzen in der digitalen Welt“

Ein Schwerpunkt liegt im Bereich „Analysieren und Reflektieren“ (Kompetenzbereich 6 im Kompetenzraster der Kultusministerkonferenz, Quelle s.u.). Im Einzelnen werden folgende Kompetenzen einbezogen:

1.1.2 Suchstrategien nutzen und weiterentwickeln

1.1.3 In verschiedenen digitalen Umgebungen suchen

6.1.1 Gestaltungsmittel von digitalen Medienangeboten kennen und bewerten

6.1.3 Wirkungen von Medien in der digitalen Welt analysieren und konstruktiv damit umgehen

Quelle: „Bildung in der digitalen Welt“. Strategie der Kultusministerkonferenz, Beschluss vom 08.12.2016, www.kmk.org/fileadmin/Dateien/pdf/PresseUndAktuelles/2016/Bildung_digitale_Welt_Webversion.pdf.

Übersicht Unterrichtsmaterialien

Übersicht Unterrichtsmaterialien

Der Film bietet vielfältige Anknüpfungspunkte für den Unterricht – vor allem in den gesellschaftswissenschaftlichen Fächern. Um den unterschiedlichen inhaltlichen Bedürfnissen gerecht zu werden, werden im Folgenden mehrere Unterrichtsszenarien vorgeschlagen.

Unterrichtsszenarien

Medientipp

Buchcover zu Hidden Figures.

Margot Lee Shetterly: Hidden Figures – Unerkannte Heldinnen

Aus dem Amerikanischen von Michael Windgassen und Sandra Ritters

HarperCollins Germany 2017

416 Seiten, Softcover 14,00 Euro

Quellenhinweise

Lydia Lohmüller, Hanna Mentges, Joachim Gerd Ulrich: „Männerberufe“ sind für Männer nicht mehr ganz so typisch. Entwicklung des Frauenanteils in männlich dominierten Berufen 2004 bis 2015. Download unter: www.bibb.de/dokumente/pdf/a24_hintergrundpapier_girl-day_2016.pdf (aufgerufen am 28.11.2017).

Ursula Beicht, Günter Walden: Berufswahl junger Frauen und Männer – Übergangschancen in betriebliche Ausbildung und erreichtes Berufsprestige. BIBB-Report 4/2014. www.bibb.de/bibbreport-4-2014 (aufgerufen am 28.11.2017).

Arbeitsmaterialien und Lösungshinweise

Arbeitsmaterial B 1

HIDDEN FIGURES – UNERKANNTE HELDINNEN: Die Handlung

Als Vorbereitung auf den Kinobesuch lesen die Schüler/innen einen Text über den ersten Teil der Handlung. Sie untersuchen den Filmtrailer und analysieren seinen Aufbau. Der Medienvergleich führt zur Frage nach der Funktion und den filmischen Darstellungsmitteln, die im Trailer zum Einsatz kommen.

Zusammenfassung in einem Satz (Lösungsvorschlag)

Im Film geht es darum, wie die drei Protagonistinnen sich zu Beginn der 1960er Jahre gegen gesellschaftliche Widerstände bei der NASA beruflich etablieren.

Aufbau des Trailers

Der Trailer besteht aus vielen sehr kurzen Filmausschnitten, die so zusammengefügt sind, dass Umrisse der Handlung erkennbar werden. Gleichzeitig wird aber vieles nur angedeutet und wichtige Fragen bleiben offen.

Mögliche Gliederung

Teil 1: Das Raumfahrtprogramm der NASA steht vor großen Problemen und unter politischem Druck (Ausgangssituation, etwa bis Minute 00:45).

Teil 2: Die Protagonistinnen greifen ins Geschehen ein; sie wirken kompetent und zupackend; es gibt aber Missverständnisse, Widerstände und Rückschläge; sie zweifeln an sich selbst, bekommen aber auch Unterstützung (Darstellung zentraler Konflikte, etwa bis Minute 02:10).

Teil 3: Die Protagonistinnen stoßen auf ein entscheidendes Problem – es geht um Leben und Tod des Astronauten – Situation wird offen gehalten (Zuspitzung, bis zum Ende).

Vergleich Text – Trailer / Werbewirkung

Der Trailer präsentiert eine Fülle von Details, für die man einen sehr langen Text bräuchte. So werden alltägliche Probleme, wie die Toilette für Schwarze, die Ablehnung einer Beförderung oder die Autopanne aufgegriffen, ohne dass bis ins Detail deutlich wird, welche Bedeutung sie in der Filmhandlung haben.

Im Gegensatz zum Text setzt der Trailer stärkere Akzente auf die politischen und technischen Herausforderungen, vor denen die NASA steht. Die Benachteiligung der schwarzen Frauen wird in den Dialogausschnitten thematisiert, sie ist aber letztendlich eingebettet in die alles entscheidende Herausforderung, den Raumflug von John Glenn erfolgreich durchzuführen. Dieser wird als Entscheidungskampf zwischen Leben und Tod dargestellt, ohne dass eine Auflösung geliefert würde. Eine derartige emotionale Zuspitzung dürfte bei vielen Zuschauern/innen eine größere Werbewirkung erzielen, als wenn die biografische Entwicklung der Protagonistinnen in den Mittelpunkt der Handlung gerückt würde.

Arbeitsmaterial B 2

Wie war der Film?

Das Arbeitsblatt kann unmittelbar nach dem Kinobesuch oder in der folgenden Unterrichtsstunde eingesetzt werden, sodass die Schüler/innen ihre Eindrücke formulieren und ihre Erinnerung auffrischen können.

1a) Wer ist wer? Links: Dorothy Vaughan, Supervisorin Mitte: Katherine Johnson, Mathematikerin Rechts: Mary Jackson, Ingenieurin

1b) Einordnung des Szenenfotos Die zugehörige Szene ist die öffentliche Vorstellung von John Glenn und seinem Raumfahrerteam.

4) Sätze zur Raumfahrt (Beispiellösung) Eine Rakete transportiert eine Raumkapsel in eine Umlaufbahn, wo sie die Erde umkreist. Die Gefahr beim Wiedereintritt in die Atmosphäre besteht vor allem darin, dass durch die hohe Geschwindigkeit eine enorme Hitze entsteht.

5) Heutige Aktualität Denkbar sind verschiedene Aspekte, z. B. der nach wie vor bestehende Reiz der Raumfahrt, aber auch die damit verbundenen Risiken; der Zugang von Frauen zu leitenden technischen Berufen; die negative Wirkung träger Hierarchien; die Notwendigkeit, sich an neue technische Entwicklungen anzupassen; die Bedeutung Amerikas als technisch führende Weltmacht.

Arbeitsmaterial B 3

Kalter Krieg, Bürgerrechte und Rock‘n‘Roll

Die meisten Schüler/innen haben vermutlich keine konkreten Vorstellungen von der historisch-politischen Situation in den USA um 1960. Die Zeitleiste vermittelt einen Überblick über wichtige Ereignisse, die auch in der Filmhandlung eine Rolle spielen. Fünf Quizfragen dienen als Motivation, eine eigene vertiefende Recherche durchzuführen.

Filmhandlung

Die Kernhandlung des Films umfasst die Zeit von 1961 bis zur Mercury-Atlas-6-Mission Anfang 1962. Zudem werden Ereignisse in die Handlung integriert, die historisch außerhalb dieser Zeit liegen: die Übernahme einer Leitungsfunktion durch Dorothy Vaughan und Mary Jacksons Beschäftigung als Ingenieurin. Zu Beginn des Films werden Episoden aus der Kindheit von Katherine Johnson gezeigt.

Fragen

1) Jahrzehnte später, als 77-Jähriger, nimmt John Glenn noch einmal an einer Mission der Raumfähre „Discovery“ teil.

2) Das sowjetische Mondfahrtprogramm wurde eingestellt, ohne dass ein Kosmonaut auf dem Mond gelandet wäre. Allerdings gelang den russischen Experten 1970 das Aussetzen eines Mondlandefahrzeugs, das auf dem Mond Experimente durchführte.

3) Auch China betreibt ein Mondfahrtprogramm, bislang allerdings unbemannt. 2013 war der Mondrover „Yutu“ drei Monate lang auf der Mondoberfläche unterwegs.

4) Die russische Kosmonautin Walentina Wladimirowna Tereschkowa flog 1963 als erste Frau ins All und umkreiste in der Raumkapsel Wostok 6 knapp drei Tage lang die Erde.

5) Mehrere Hunderttausend Einzelteile umkreisen die Erde in unterschiedlichen Höhen. Beim Auftreffen auf einen Satelliten oder eine Raumkapsel können wegen der hohen Geschwindigkeiten schon kleinste Teile verheerende Wirkungen erzeugen. 13.000 Teile, die größer als 5 cm sind, werden ständig beobachtet.

6) Präsident Barack Obama überreichte Katherine Johnson 2015 die Presidential Medal of Freedom.

Arbeitsmaterial B 4.1

„Wären Sie so freundlich?“ – Gruppenarbeit zu Katherine Johnson Die Arbeitsmaterialen B 4.1 – 4.4 können für eine arbeitsteilige Gruppenarbeit eingesetzt werden. Ein solches Lernarrangement ermöglicht den Schülern/innen eine fokussierte Auseinandersetzung mit den drei Protagonistinnen und ihren jeweiligen Problemen und Lösungsstrategien. Die drei Biografien werden so entflochten und für die Jugendlichen besser greifbar. Um das Themenangebot für die Gruppenarbeiten zu erweitern, können sich zwei weitere Gruppen mit den männlichen Vorgesetzten von Katherine Johnson sowie den physikalisch-technischen Problemen der ersten Raumfahrtprojekte befassen. Es ist allerdings sinnvoll darauf zu achten, dass Jungen und Mädchen zusammenarbeiten und die Jungen nicht allein die beiden letztgenannten Gruppen wählen.

Die Figur Katherine Johnson

Prägend für Katherine ist ihre außergewöhnliche mathematische Begabung, die schon Thema der pre-title-Sequenz ist. Trotz dieser Fähigkeiten ist sie durchaus nicht weltfremd und hat später mit ihren Lebensumständen als alleinerziehende Mutter zu kämpfen. Ihr spannungsvolles Zusammenwirken mit Al Harrison, dem Leiter des Raumfahrtprogramms, ist eine tragende Säule der Filmhandlung. Während der unter Druck stehende Harrison sie anfangs kaum beachtet, erkennt er nach und nach, dass das Raumfahrtprogramm nur mit Katherines Hilfe zum Erfolg wird. Unter diesen Bedingungen setzt er Zeichen gegen die Rassentrennung bei der NASA und nimmt Katherine auch gegen den leitenden Ingenieur in Schutz, der ihr gegenüber misstrauisch ist und sie als Konkurrentin sieht.

Der Filmanfang

Katherines ausgeprägtes mathematisches Interesse äußert sich in ihrer Wahrnehmung geometrischer Figuren und ihrer Zählweise („Primzahl“). Ihr Auftritt vor der neuen Klasse mit den älteren Schülern/ innen zeigt aber auch ihr Selbstbewusstsein. Ihre Eltern gehen liebevoll mit ihr um, machen sich aber auch Sorgen, dass sie nicht überfordert wird.

Der Dialog zwischen den Erwachsenen verrät viel über die Benachteiligung von Schwarzen („die einzige Schule weit und breit, die über die achte Klasse hinausgeht“), aber auch darüber, dass sich die Schwarzen untereinander solidarisch verhalten: Die Lehrer/innen erkennen und fördern das begabte Mädchen, auch durch eine private Geldsammlung. Auffällig ist auch der respektvolle Umgang des neuen Lehrers mit Katherine.

Beim Übergang in die Gegenwartsebene nutzt der Film ein gemeinsames Bildmotiv (Katherine blickt aus dem Fenster eines Autos). Die Worte der Lehrerin („Sie müssen erleben, was aus ihr wird“) bilden ebenfalls eine Brücke zwischen den beiden Zeitebenen.

Vergleich mit der Szene „Plus Minus 20 Quadratmeter“

Auffallend ist die Parallelität der Situationen: Wieder geht Katherine nach vorn an eine Tafel und löst unter den strengen Blicken männlicher Zuschauer eine schwierige Aufgabe. Es ist eine ähnliche Bewährungsprobe, jedoch unter vollkommen anderen Vorzeichen. Die Übergabe der Kreide durch Al Harrison, die in einem Detailbild lange zu sehen ist, hat einen symbolischen Charakter: Es ist auch die Übergabe von Verantwortung. Harrison hat Katherine gegen Widerstände bis an diesen Ort gebracht; indem er sie nach vorne schickt, legt er gewissermaßen auch sein eigenes Schicksal in ihre Hände.

Der Film weist durch solche visuellen Parallelen auf biografische Zusammenhänge hin und vermitteltdem Publikum so einen tiefen Einblick in die Wesenszüge der Figur Katherine Johnson. Es scheint von Beginn an ihre Bestimmung gewesen zu sein, an diesem Ort ihre mathematische Begabung unter Beweis zu stellen.

Arbeitsmaterial B 4.2 

„Meine Mädels sind bereit“ – Gruppenarbeit zu Dorothy Vaughan

Die Figur Dorothy Vaughan

Dorothy Vaughan ist Ansprechpartnerin, wenn es darum geht, einzelne Aufgaben zu verteilen. Sie nimmt diesen Job sehr ernst und setzt sich für das Wohl der schwarzen Mathematikerinnen ein. Zugleich leidet sie unter der mangelnden Anerkennung durch das NASA-Management. Sie kann sehr resolut sein, geht aber auch strategisch geschickt vor und fordert nicht zuletzt auch entschlossen ein, was ihr selbst zusteht. Weil sie vorausschauend denkt und sich mit dem IBM-Rechner beschäftigt, sichert sie die Jobs für das Mathematikerinnen-Team.

Das Verhältnis zu Mary und Katherine ist sehr offen und von Humor und Solidarität geprägt. Das schließt auch ein, dass sich die drei untereinander deutlich die Meinung sagen. Der Song von Ray Charles spiegelt inhaltlich das Grundgefühl von Dorothy in dieser Situation wider: Sie fühlt sich ausgenutzt und missachtet. Trotz des anklagenden Textes hat die Musik zugleich einen leichten und entspannten Charakter. Dies nimmt der Szene ihre Schwere und betont die komischen Facetten (z. B. Dorothys übetriebene Strenge).

Dorothy Vaughan verhält sich strategisch geschickt, indem sie sich frühzeitig auf veränderte berufliche Anforderungen einstellt (IBM-Programmierung). Mrs. Mitchell begegnet sie selbstbewusst. Sie nutzt die Situation, in der ihre Fähigkeiten für die NASA wichtig sind, um nicht nur Vorteile für sich selbst, sondern auch für ihre Mitarbeiterinnen herauszuschlagen. Dabei setzt sie auch ihre eigene Beförderung aufs Spiel.

Arbeitsmaterial B 4 .3

„Ich kann die Farbe meiner Haut nicht ändern“ – Gruppenarbeit zu Mary Jackson

Die Figur Mary Jackson

Mary Jackson ist eine der drei Filmprotagonistinnen. Sie will als Ingenieurin bei der NASA arbeiten und verfolgt dieses Ziel selbstbewusst und gegen den Widerstand der Arbeitsbürokratie. Sie kann ihre Zweifel am Erreichen ihres Ziels überwinden und wird dabei von ihren Freundinnen und später auch von ihrem Mann unterstützt.

Dialog mit Levi Jackson

Mary und Levi sind sich darin einig, dass Schwarze in der US-Gesellschaft ungerecht behandelt werden, bevorzugen jedoch unterschiedliche Wege, damit umzugehen. Levi glaubt nicht daran, dass seine Frau die Hürden überwinden kann, die das von den Weißen dominierte System errichtet hat. Seiner resignativen Haltung in dieser Situation begegnet Mary mit Entschlossenheit. In den Disput über den Umgang mit der Rassentrennung mischt sich auch ein Gender-Diskurs: Unterschwellig wirft Levi Mary vor, ihre Rolle als Hausfrau und Mutter zu vernachlässigen.

Interessant ist, wie sich dieser Konflikt im Umgang mit den Kindern spiegelt: Levi fordert von seinem Sohn, das „Grünzeug“ zu essen; später verlangt Mary dies auch von der Tochter. Die Botschaft dahinter könnte lauten: Mädchen/Frauen sollen die gleichen Rechte haben wie Jungen/Männer – dazu gehört aber auch, dass man ihnen das Leben nicht leichter macht.

Szene im Gericht

Vor dem Gericht tritt Mary selbstbewusst und strategisch geschickt auf. Sie hat sich sehr gut über den Richter informiert und argumentiert mit seiner eigenen Biografie. Damit schmeichelt sie ihm, liefert zugleich aber auch gute Argumente, um über den eigenen Schatten zu springen.

Die Szene wird als Zwiegespräch zwischen Mary und dem Richter inszeniert, der öffentliche Charakter bleibt aber durch das Publikum im Hintergrund immer unterschwellig vorhanden. Die Kamera bewegt sich im Laufe der Szene immer näher auf Mary zu; dadurch und durch die Musikunterlegung wird die emotionale Qualität ihres Vortrags herausgehoben.

Sportunterricht

Mary Jackson könnte ihre Argumentation parallel anlegen und den Schulleiter mit dem sportlichen Ehrgeiz, den er selbst als Jugendlicher an den Tag legte, auf ihre Seite ziehen: Wer besser werden will, muss sich mit den Besten messen – und das sind nun mal die Jungen.

Arbeitsmaterial B 4.4

„Was ist hier los?“ – Gruppenarbeit zu Al Harrison und Paul Stafford

Mit Al und Paul werden zwei Repräsentanten des weißen Machtapparates innerhalb der NASA thematisiert. An ihren gegensätzlichen Verhaltensweisen lässt sich ablesen, welche Spielräume die Führungskräfte haben, um Veränderungen in einem erstarrten System zu blockieren, zuzulassen oder punktuell zu forcieren.

Die Figuren Al Harrison und Paul Stafford

Al Harrison ist Leiter der Raumfahrt-Abteilung und Paul Staffords Vorgesetzter. Harrison trägt die Verantwortung für das Gelingen der Raumflüge und hat einen etwas weiteren Horizont als Stafford, der sich als Ingenieur auf die Lösung unmittelbar anstehender Aufgaben konzentriert. Harrison erkennt im Laufe der Handlung, dass Katherine Johnson mit ihren außergewöhnlichen mathematischen Fähigkeiten wichtig für das Projekt ist.

Auswertung des Dialogs

Paul versucht Katherine zurückzudrängen und klammert sich an Vorschriften. Al verhält sich eher abwartend und versucht einzuschätzen, wie Katherine „tickt“. Er reagiert gelassen auf Katherines Vorwürfe und gesteht ihr etwas zu, was Paul für verboten hält. Paul reagiert, in dem er sich entfernt. Das Verhalten in der Szene ist typisch für die Figuren in der gesamten Handlung.

Gedanken der Figuren

Paul ist vermutlich genervt von Katherine und wünscht sie sich auf den Mond. Er hat auch Angst vor ihr, weil er spürt, dass ihre Kompetenz seine eigene in Frage stellt.

Bei Al ist es nicht einfach, die Gedanken zu erraten: Er könnte enttäuscht von Paul sein und sich wünschen, dass sein Untergebener endlich lernt, besser mit Menschen umzugehen. Katherine ist für ihn unbequem, dennoch schickt er sie nicht fort, sondern versucht vermutlich abzuschätzen, ob er es wagen soll, sie in den Konferenzraum mitzunehmen. Er ist nicht begeistert von ihrem Auftreten, aber er hat Respekt vor ihren Fähigkeiten und auch eine gewisse Sympathie.

Katherine ist gegenüber beiden Männern kritisch eingestellt. Sie hat das Gefühl, dass man ihr die Arbeit erschwert und sie behindert. Vielleicht hat sie Angst, dass sie am Ende für Fehler verantwortlich gemacht wird. Sie verachtet Paul, vermutlich wegen seiner kleinlichen Einwände und weiß, dass sie nur mit Als Unterstützung etwas erreicht. Vor ihm hat sie mehr Respekt, aber auch nicht so viel, dass sie ihn nicht mit deutlichen Worten kritisieren würde.

Arbeitsmaterial B 4.5

Das Problem: Einen Menschen ins All bringen

Fachbegriffe

Orbit = Umlaufbahn, auf der z. B. ein Satellit die Erde umkreist, ohne abzustürzen oder in den Weltraum zu verschwinden; niedrige Umlaufbahnen befinden sich in wenigen hundert Kilometern Höhe, andere in bis zu 40.000 Kilometern Höhe.

Suborbit = der Bereich unterhalb einer Umlaufbahn

Elliptisch = eiförmig, nicht kreisrund

Parabolisch = Kurvenform, die die Bahn eines Flugobjektes beschreibt, das von einer Umlaufbahn auf die Erde stürzt.

Drei Raumflüge


Alan Shepard: 05. Mai 1961, Flugdauer: etwa 15 Minuten Gus Grissom: 21. Juli 1961, Flugdauer: etwa 15 Minuten John Glenn: 20. Februar 1962, Flugdauer: knapp 5 Stunden

Welche Kräfte wirken?

Beim Start überwindet der Raketenantrieb die Schwerkraft (Gravitationskraft); der Luftwiderstand verhindert hohe Geschwindigkeiten.

Im Weltraum angekommen wird die Raumkapsel so weit beschleunigt, dass sie auf einer Umlaufbahn fliegen kann, z. B. auf sieben Kilometer/Sekunde. Die Gravitationskraft zieht sie weiterhin zur Erde, die Fliehkraft drückt sie auf ihrer Kreisbahn nach außen. Durch dieses Kräftegleichgewicht kann die Raumkapsel ohne weiteren Antrieb für eine lange Zeit um die Erde kreisen.

Zu Beginn der Landungsphase wird die Geschwindigkeit reduziert, sodass die Gravitationskraft stärker wirkt als die Fliehkraft – die Raumkapsel beginnt zu sinken.

Mit dem Eintritt in die Erdatmosphäre macht sich der Luftwiderstand bemerkbar: Die Raumkapsel wird abgebremst und durch die Reibung kommt es zu gefährlicher Hitzeentwicklung. Zuletzt stürzt die Raumkapsel senkrecht auf die Erde. Zum Abbremsen wird ein Fallschirm geöffnet.

Mondlandung

Der komplizierte Lande- und Startvorgang auf dem Mond musste von der Raumfähre aus eigener Kraft bewältigt werden. Das erforderte eine große Menge Technik und Treibstoff, die zunächst in den Weltraum befördert werden mussten. Die Trägerrakete Saturn V wog insgesamt fast 3.000 Tonnen und war 110 Meter hoch.

Arbeitsmaterial B 5

Frauen und Männer im Beruf – drei Perspektiven

Das Arbeitsmaterial thematisiert die Rolle von Frauen und Männern mit Blick auf die Berufswahl. Ausgehend von der Situation im Film wird eine Brücke zur Gegenwart geschlagen. Dabei wird die mögliche spontane Einschätzung, dass gegenüber dem Film heute doch alles anders sei, zumindest teilweise in Frage gestellt. Die Schüler/innen erhalten Informationen dazu, welche Berufe von Jungen bzw. Mädchen bevorzugt ausgewählt werden, suchen nach Ursachen und reflektieren ihre eigenen Kriterien für die Berufswahl.

1) Frauen und Männer in HIDDEN FIGURES – UNERKANNTE HELDINNEN

Die Aufgaben sind so angelegt, dass sich zunächst Jungen mit der Position der Frauen im Film beschäftigen, Mädchen mit der Position von Männern. Die jeweiligen Ergebnisse werden dann in gemischt besetzten Gruppen besprochen und ergänzt. So haben die Schüler/innen die Chance die Sichtweise des jeweils anderen Geschlechts besser kennen zu lernen.

Position und Verhaltensweisen der Frauen

Ausschließlich untergeordnete Funktionen: Mrs. Mitchell trägt zwar eine gewisse Verantwortung, allerdings auch nur im nicht-technischen Bereich; dort ist Katherine in einer Minderheit, was ihr das Leben zusätzlich erschwert. Die doppelte Diskriminierung als Schwarze und Frau wird in dem Problem mit der abgelegenen Toilette besonders deutlich. Die drei Protagonistinnen sind untereinander solidarisch: Sie wissen, dass sie strukturelle Einschränkungen nicht aufheben können, versuchen sich aber in diesem Rahmen Spielräume und bessere Positionen zu erarbeiten. Zum Teil gehen sie dabei strategisch vor (Mary Jackson), zum Teil auch impulsiv fordernd (Katherine Johnson). Fortschritte sind nur möglich, wenn sie von überdurchschnittlichen und nicht ersetzbaren Leistungen begleitet sind. #

Anregungen zur Reflexion: Nicht nur das konkrete Verhalten bewerten, sondern das Verhalten im Kontext der jeweiligen Zwänge (z. B.: Nutzen Al und Paul die Spielräume, die sie haben? Hätte Katherine Johnson früher die Entfernung zur Toilette für Schwarze ansprechen können, vielleicht über Mrs. Mitchell?).

Fiktive Biografie

Der Ansatz, eine der Protagonistinnen in die Gegenwart zu versetzen, führt unweigerlich zu der Frage, welche Barrieren für Frauen in technisch-mathematischen Berufen bzw. in Führungspositionen heutzutage existieren. Hier fehlt vielen Schülerinnen und Schülern zwar die genaue Kenntnis institutioneller Strukturen, aber in ihren Ideen wird sich dennoch ihr Bild gesellschaftlicher Verhältnisse abzeichnen.

2) Frauenberufe und Männerberufe – gibt es das noch?

Aussagen der Tabelle

Die Tabelle gibt für insgesamt acht Ausbildungsberufe an, wie viele Ausbildungsverhältnisse in den Jahren 2004 und 2015 in Deutschland begonnen wurden. Zudem wird angegeben, wie groß der Frauenanteil an diesen beiden Werten jeweils war. (Daraus ergibt sich dann jeweils auch, wie groß der Männeranteil war.) Die rechte Spalte zeigt die Entwicklung zwischen 2004 und 2015, indem dort die Veränderung des Frauenanteils festgehalten wird. Dass die Werte nicht exakt der Differenz zwischen den beiden vorherigen Werten entsprechen, liegt an der Rechenmethode.

Bewertung

Die Daten zeigen deutlich, dass es eine Spaltung in Frauen- und Männerberufe gibt. Männer sind in technisch-handwerklichen Berufen in der Überzahl, Frauen in sozialen und Dienstleistungsberufen.

Die Frage nach den Ursachen lässt sich vordergründig mit unterschiedlichen Neigungen beantworten. Einen tiefer gehenden Erklärungsansatz bietet der folgende Text. Ob das Gefälle zu akzeptieren ist, hängt von der Perspektive ab: Subjektiv kann man niemandem einen bestimmten Beruf aufzwingen, es ist allerdings zu vermuten, dass die Berufswahl bei vielen Jugendlichen auf zum Teil falschen Erwartungen bzw. auf unzureichendem Wissen über Anforderungen beruht. Gesellschaftlich und ökonomisch gesehen wäre eine Veränderung der Verteilung wünschenswert, z. B. mit Blick auf die Situation in Kindertagesstätten und Grundschulen.

3) Berufswahl von Mädchen und Jungen

Der Text bietet als Erklärung für die einseitige Berufswahl traditionelle Selbstkonzepte von Jungen und Mädchen an. Er verweist außerdem auf fehlendes Wissen über tatsächliche Anforderungen bei der Berufswahl. Die Aufgaben zum Text sollen neben der Erschließung des Inhaltes dazu anregen, die eigenen Präferenzen und Urteile zu hinterfragen. Ein wichtiger Erkenntnisschritt besteht darin, die eigenen Haltungen und Werturteile als zum Teil sozialisationsbedingt zu erkennen. Jugendliche sollten sich fragen, ob die Orientierung hin zu bestimmten Tätigkeiten möglicherweise Interessen überlagert, die in der eigenen Sozialisation bislang (noch) nicht oder weniger entfaltet wurden.

Der komplizierte Lande- und Startvorgang auf dem Mond musste von der Raumfähre aus eigener Kraft bewältigt werden. Das erforderte eine große Menge Technik und Treibstoff, die zunächst in den Weltraum befördert werden mussten. Die Trägerrakete Saturn V wog insgesamt fast 3.000 Tonnen und war 110 Meter hoch.