Lernkonzept und Kompetenzerwartungen

Der Film erzählt gut nachvollziehbar, wie Mae allmählich in die Welt eines Unternehmens hineingezogen wird, das sich nach außen modern und menschenfreundlich gibt, aber im Kern eine umfassende Überwachungsstrategie verfolgt, die letztendlich auch auf unmittelbare Machtausübung hinausläuft. Das Orwellsche Szenario ist zwar fiktional, aber dennoch nur wenige Schritte von der Realität entfernt. Gerade dieser Umstand lässt den Film zu einem interessanten und diskussionswürdigen Beitrag zur Digitalisierung werden. Er zeigt, welche Gefahren die Digitalisierung birgt, wenn diese mit der Bündelung von Marktmacht und einer Datenerfassung einhergeht, der kaum Grenzen gesetzt sind. Zugleich zeigt der Film ein ambivalentes Bild moderner Arbeit auf: Zum einen die großzügige Förderung und Unterstützung von Mitarbeitern/innen, zum anderen deren umfassende Überwachung. Diese ist mit einer datenbasierten Optimierung von Leistung verbunden, die die Mitarbeiter/innen anspornen soll, aber auch unter Dauerstress setzen kann. Der Film enthält so verschiedene Anknüpfungspunkte an die Themen des Wissenschaftsjahres „Arbeitswelten der Zukunft“. Zudem bietet er die Möglichkeit, film- und medienbezogene Analysefähigkeiten der Schüler/innen zu erweitern. Die Arbeitsmaterialien sind so gestaltet, dass sie neben einer grundlegenden Auseinandersetzung mit Filminhalt und filmischer Realisierung einzelne Aspekte punktuell vertiefen. Ergänzend können Arbeitsblätter aus dem gemeinsamen Modul "Arbeitswelten der Zukunft" herangezogen werden (www.wissenschaftsjahr-2018.visionkino.de > The Circle) Dabei werden sowohl fachbezogene Kompetenzen aufgegriffen als auch die in der Digitalstrategie der Kultusministerkonferenz genannten Kompetenzbereiche. Auf diese wird in der unten stehenden Auflistung der Arbeitsmaterialien gesondert verwiesen.

„Kompetenzen in der digitalen Welt“

Ein Schwerpunkt liegt im Bereich „Analysieren und Reflektieren“ (Kompetenzbereich 6 im Kompetenzraster der Kultusministerkonferenz, Quelle s.u.). Im Einzelnen werden folgende Kompetenzen einbezogen:

3.1.1 Informationen und Daten analysieren, interpretieren und kritisch bewerten

3.1.2 Eine Produktion planen und in verschiedenen Formaten gestalten, präsentieren, veröffentlichen oder teilen

6.1.1 Gestaltungsmittel von digitalen Medienangeboten kennen und bewerten

6.1.3 Wirkungen von Medien in der digitalen Welt analysieren und konstruktiv damit umgehen

6.2.1 Vielfalt der digitalen Medienlandschaft kennen

6.2.2 Chancen und Risiken des Mediengebrauchs in unterschiedlichen Lebensbereichen erkennen, eigenen Mediengebrauch reflektieren und ggf. modifizieren

Quelle:

„Bildung in der digitalen Welt“. Strategie der Kultusministerkonferenz, Beschluss vom 08.12.2016, www.kmk.org/fileadmin/Dateien/pdf/PresseUndAktuelles/2016/Bildung_digitale_Welt_Webversion.pdf.

Übersicht Unterrichtsmaterialien

Übersicht Unterrichtsmaterialien

Mögliche Unterrichtsszenarien

Der Film bietet vielfältige Anknüpfungspunkte für den Unterricht – vor allem in den gesellschaftswissenschaftlichen Fächern. Um den unterschiedlichen inhaltlichen Bedürfnissen gerecht zu werden, werden im Folgenden mehrere Unterrichtsszenarien vorgeschlagen.

Mögliche Unterrichtsszenarien

Medientipp und Literaturhinweise

Buchcover von Der Cricle

Dave Eggers: Der Circle

Aus dem Amerikanischen von Ulrike Wasel und Klaus Timmermann

Taschenbuchausgabe, Köln 2015 560 Seiten, 10,99 Euro

Literaturhinweise

Adrian Lobe: Wir haben sehr wohl etwas zu verbergen! ZEIT online, 28.11.2016. www.zeit.de/kultur/2016-11/privatsphaere-persoenliche-assistenz-google-home-ueberwachung-edward-snowden (aufgerufen am 01.11.2017).

Torsten Meireis: The Circle – die neue Kolonisierung des inneren Menschen. In: Ethik und Gesellschaft 2/2015.

Arbeitsmaterialien und Lösungshinweise

Arbeitsmaterial D 1

Ein Video-Streaming-Projekt

bewerten THE CIRCLE bewegt sich nah an der heutigen Realität und greift ein für viele Jugendliche attraktives Arbeits- und Lebensmilieu auf. Als Vorbereitung auf den Film dient vor diesem Hintergrund ein fiktives Angebot, das dem Projekt „SeeChange“ aus der Filmhandlung ähnelt. Die Schüler/innen bekommen so Gelegenheit, ihre eigene Affinität für solche Aktionen zu überprüfen.

Argumente für und gegen SEEYOU

Für ein solches Projekt könnte sprechen: viele Kontakte, auch international, Einstieg in ein mögliches berufliches Umfeld, Erkenntnisse über die eigene Lebensführung gewinnen, mehr Sicherheit. Gegen die Teilnahme spricht: unnötige Preisgabe persönlicher Lebensumstände, Konflikte mit Menschen, die nicht gefilmt werden wollen; Beitrag zur Etablierung durchgängiger Überwachung, permanenter Medienstress, Hoffnung auf mehr Sicherheit ist fragwürdig.

Schwierigkeiten

Abgesehen von den persönlichen Argumenten ist solch ein Projekt in Deutschland praktisch nicht durchführbar, da alle Menschen, die in das Sichtfeld der Kamera geraten, zunächst gefragt werden müssten, ob sie mit einer Veröffentlichung der Aufnahmen einverstanden sind (Recht am eigenen Bild). Im Fall von Mitschülern/innen, die nicht volljährig sind, müssten die Eltern ihr Einverständnis geben. Im Unterricht müsste die Kamera ohnehin ausgeschaltet werden. Es bleibt dann letztendlich nicht mehr viel übrig.

Beruf oder Freizeit

Die Frage mag Schüler/innen irritieren, da die meisten soziale Medien eindeutig dem Freizeitbereich zuordnen. Hier wäre eindeutig eine professionelle Komponente enthalten. Die Frage nach einer Trennung von Beruf und Freizeit wäre kaum möglich.

Privatsphäre

Die Frage dient einer ersten Orientierung, welche Rolle dieses Thema für die Schüler/innen spielt.

Arbeitsmaterial D 2

Der Film THE CIRCLE

Alternativ oder ergänzend zu D 1 kann D 2 eingesetzt werden, um die Schüler/innen auf den Film vorzubereiten. Das Arbeitsblatt bezieht sich unmittelbar auf die Filmhandlung, die jedoch mit der Erwähnung der „dunklen Seiten“ abbricht. So entsteht eine Leerstelle, die zu Vermutungen über den Fortgang der Handlung einlädt. Die Schüler/innen entwickeln dabei nicht nur mögliche Handlungsszenarien, sondern denken zugleich darüber nach, welche Missbrauchsmöglichkeiten sich aus einer umfassenden Datenerhebung ergeben können.

Arbeitsmaterial D 3

Auswertung: Wie war der Film?

Der Auswertungsbogen kann genutzt werden, um die Filmhandlung zu rekapitulieren und soll als Grundlage für eine Anschlusskommunikation an zentrale Fragen des Films dienen. Je nachdem, welche Themen von den Schülern/innen als besonders wichtig eingeschätzt werden, können weiterführende Arbeitsmaterialien ausgewählt werden. Die Spannungskurven der Schüler/innen dürfte an einigen Stellen anders aussehen: Am Anfang ist die Spannung eher gering, die Situation vor Mercers Tod bildet einen Spannungshöhepunkt, ebenso die finale Auseinandersetzung mit Bailey und Stenton, ganz am Ende fällt die Spannung noch einmal ab.

Arbeitsmaterial D 4

THE CIRCLE Konflikte und Beziehungen

Die Figuren eines Films bieten einen guten Ausgangspunkt zur Auseinandersetzung mit dem Film insgesamt. Im Fall von THE CIRCLE ist die gesamte Filmhandlung auf die Hauptfigur Mae Holland zugeschnitten. Deshalb beginnt die Erarbeitung der Figurenbeziehungen mit ihr und wird dann von diesem Mittelpunkt aus auf die anderen wichtigen Figuren ausgeweitet. Die Schüler/innen sollten hier bevorzugt in Gruppen arbeiten, weil so ein intensiver Austausch über die Figurenwahrnehmung möglich ist. Die Frage nach den Sympathiewerten ist von großer Bedeutung, da sie auch auf die Wahrnehmung der restlichen Filmhandlung Einfluss hat. Wer mit der Hauptfigur stark sympathisiert, entwickelt zumeist auch Sympathien mit ihren Freunden/innen und eine negative Einschätzung ihrer Gegner.

Die Figuren im Einzelnen

Mae: Sie ist als Haupt- und Identifikationsfigur angelegt. Man folgt ihr anfangs gerne; die enttäuschenden Erlebnisse verstärken vermutlich bei den meisten Zuschauern/innen die Anteilnahme. Entsprechend erscheint die Aufnahme in das Unternehmen Circle als positive Entwicklung. Dass sie sich immer eifriger bei den Projekten des Unternehmens engagiert, mag unterschiedlich rezipiert werden – einen Bruch mit Mae werden viele Zuschauer/innen erleben, wenn Mae durch den Tod Mercers Schuld auf sich lädt. Es dürfte bei den Schülern/innen unterschiedliche Einschätzungen darüber geben, wie ihr anschließendes Verhalten zu bewerten ist. Ihre Motivation ist am Ende nicht mehr eindeutig zu erkennen.

Mercer: Maes alter Freund aus der alten, nicht-digitalen Welt; steht für alles, was dem Circle entgegengesetzt ist und wird nicht zuletzt durch Maes Handeln in den Tod getrieben. Maes berufliche Entwicklung entzweit die beiden, Mercer bemüht sich aber bis zuletzt um Mae.

Annie: Sie ist für Mae Freundin und anfangs Beschützerin. Ihre Begeisterung für den Circle schlägt um in Distanzierung, was die Freundschaft in Frage stellt.

Eamon Bailey: Erscheint zunächst als Maes Förderer, ist aber letztendlich ihr wichtigster Gegenspieler. Er steht für die bedenkenlose Durchsetzung einer totalen Überwachung. Es ist abzusehen, dass er zu Maes Gegner wird, nachdem sie ihn am Ende des Films öffentlich bloßstellt.

Kalden/Ty: Mitgründer des Circle, der aber die Unternehmenspolitik inzwischen ablehnt. Zunächst tritt er als mysteriöse Figur im Hintergrund auf, die Maes kritische Distanz zum Circle fördern will, aber später von Mae hintergangen wird.

Maes Eltern: Sie unterstützen Maes Karriere und profitieren von der Krankenversicherung des Circle, distanzieren sich aber später von ihr sowie dem „Transparenz“-Projekt.

Arbeitsmaterial D 5

Arbeiten im 21. Jahrhundert – Vorbild „Circle“?

Das Arbeitsblatt thematisiert die Darstellung von Arbeit im Film THE CIRCLE. Dabei geht es jedoch weniger um konkrete Inhalte, sondern darum, welches Bild von Arbeit mit Maes Betreten des Unternehmens- Campus vermittelt wird. Die Schüler/innen sind aufgefordert, verbale und visuelle Elemente im Sinne einer filmischen Gesamtaussage zu deuten.

Was erfährt man über das Unternehmen?

Der Circle ist ein weltumspannender Konzern, der digitale Dienstleistungen anbietet und dabei versucht, Menschen durch einen einzigen Account komplett zu „versorgen“ („TrueYou“). Das Prinzip, sich als umfassender Dienstleister zu verstehen, erstreckt sich auch auf die Mitarbeitenden, die mit Freizeit- und Unterhaltungsangeboten umsorgt werden. Daran sind aber auch Erwartungen geknüpft, eigene private Erfahrungen zu teilen und diese in die Unternehmenskommunikation einzubringen. Serviceleistungen wie medizinische Betreuung sind hochwertig, aber auch mit einer kompletten Datenerfassung durch das Unternehmen verknüpft.

Gelände und Räume

Das Firmengelände erscheint wie ein Freizeitpark; Glasfronten stehen für Transparenz, die Räume sind hell und offen; sogar das Bewerbungsgespräch findet in einem nach außen hin offenen Raum statt.

Clip 1: Bewerbungsgespräch

Die Mitarbeiter/innen sollen spontan zeigen können, welche modischen und kulturellen Vorlieben sie haben; sie sollen gegenüber anderen aufgeschlossen und kommunikativ sein; Dan verlangt von Mae, dass sie begeisternd und in verständlicher Sprache die Unternehmensziele vermitteln kann. Maes Hang zur „Introspektion“ ist offensichtlich ein Minuspunkt, weil das, was in ihr vorgeht, in diesem Moment undurchsichtig und für das Unternehmen nicht verwertbar ist. Zu Beginn des Clips betritt Mae das Gelände, die Kamera begleitet sie und liefert gleichzeitig Einblicke in die freundliche, offene Atmosphäre des Geländes. Diese äußere Bewegung im Clip endet mit dem Beginn des Gesprächs. Zugleich beginnt ein Wortwechsel, in dem Dan als Vertreter des Unternehmens ein schnelles Tempo vorgibt. Mae versucht, das Tempo aufzunehmen. Wenn sie nachdenkt, wird sie von Dan unterbrochen; Stillstand und Reflexion ist etwas, das im Circle nicht vorgesehen ist.

Clip 2: Annie zeigt Mae das Gelände

Annie ist begeistert vom Unternehmen und seinen vielfältigen Angeboten, alles an ihr ist in Bewegung (Sprechweise, Gestik, Gehtempo, Blicke), während Mae Mühe hat, ihr zu folgen; die Bewegung wird von der Kamera aufgenommen und verstärkt; dem Innehalten am Ende des Ausschnitts folgt ein weiterer Bewegungsschub – Annie geht aus dem Bild, Mae folgt ihr mit den Worten „Das ist unfair. Du hast längere Beine.“

Arbeitsmaterial D 6

Fiktion und Realität

Das Arbeitsblatt knüpft an D 5 an. Die Schüler/innen untersuchen die Selbstinszenierung des Unternehmens und stellen Beziehungen zu realen Vorbildern her.

Clip 3: Baileys Vortrag

Baileys Auftreten, das an die Präsentationen des früheren Apple-Chefs Steve Jobs erinnert, ähnelt dem eines rhetorisch geschickten Showmasters, der sein Publikum durch lockere Sprache und Scherze einnimmt, während die eigentlichen Informationen eher beiläufig vermittelt werden. Die Mitarbeiter/innen erscheinen in der Rolle von Fans, die ihrem Chef begeistert applaudieren. Bailey verknüpft die Vorstellung des Projektes „SeeChange“ mit einem ethischen Anspruch: Die weltweite Überwachung ermöglicht die Eindämmung von Menschenrechtsverletzungen und Kriminalität sowie das Erleben von Naturschönheit; Sehen und Hören in Echtzeit wird mit „Wissen“ gleichgesetzt.

Fiktion und Realität

Obwohl der Film meist dem Genre Science-Fiction zugeordnet wird, bewegt er sich dicht an der Realität.

Lösungstabelle zum Vergleich von The Circle und der realen Welt.

Arbeitsmaterial D 7

Szenenanalyse als Gruppenarbeit:

Gespräch mit Gina und Matt In D 7 wird exemplarisch eine Szene zur Analyse herausgegriffen. Dabei geht es thematisch um die Erwartung des Unternehmens, dass sich die Mitarbeiter/innen bis weit in ihr Privatleben hinein für das Unternehmen engagieren.

Darstellung ohne Ton

Prägend für die Gesprächssituation ist die Tatsache, dass Gina und Matt vor Mae stehen, während sie auf ihrem Stuhl sitzen bleibt. Zum einen wirken die beiden dadurch überlegen, während Mae wie ein ertapptes Schulmädchen zu ihnen aufschaut. Zum anderen kann man vor allem Ginas gestenreiches Auftreten mit ihrer übertrieben heiteren Mimik als komisch empfinden.

Drei Situationen

Die Situation „Kantine“ ist naheliegend. Für eine Plauderei über Theater ist der Auftritt der beiden zu zielgerichtet. Dass sie Mae im Unternehmen untergeordnet wären, ist mit ihrer Haltung, Gestik und Mimik nur schwer vereinbar.

Inhalt und Gestik/Mimik; Frage nach Komik

Der Auftrag von Gina und Matt besteht darin, Mae zu verdeutlichen, dass Freizeitverhalten und die private Kommunikation als Teil des Unternehmensprinzips zu verstehen und somit verpflichtend sind. Gina tritt mit einer übertrieben zugewandten Gestik und Mimik auf. Sie überspielt so die eigentlich unangenehme Botschaft an Mae, dass diese sich zu wenig auf den Social Media-Kanälen betätigt und zu wenig Freizeit auf dem Unternehmenscampus verbringt. Die beiden haben Mühe Mae zu vermitteln, dass es sich dabei zwar um Freizeit handelt, aber dennoch Pflichten damit verbunden sind. Das wort- und gestenreiche Umkreisen dieser Botschaft kann als komisch empfunden werden, zumal Mae mit dem Wort „Wochenenddienst“ zeigt, dass sie den Kern der Botschaft nicht verstanden hat.

Umgang mit Wünschen

Nach einem traditionellen Verständnis von Erwerbsarbeit gehören Freizeitaktivitäten nicht oder nur in engen Grenzen an den Arbeitsplatz. Die Ansprüche und Angebote des Circle sind sehr weitreichend und können auch als Zumutung empfunden werden. Wie sich in diesem Spektrum die Schüler/innen verorten, kann herausgearbeitet werden.

Arbeitsmaterial D 8

Schreibaufgabe: Transparenz als Wundermittel?

Das Kernthema des Films wird von den Schülern/innen in einer umfassenden Aufgabenstellung erörtert. Diese entspricht dem Aufgabenformat des materialgestützten Schreibens (Deutsch) bzw. dem Kompetenzbereich 1 der Digitalen Kompetenzen der Kultusministerkonferenz.

Eine Herausforderung bei dieser Aufgabe besteht darin, reale Argumente aus verschiedenen Medien herauszuarbeiten, darunter auch aus dem fiktionalen Kontext. Da eine wirkliche argumentative Auseinandersetzung nur ansatzweise stattfindet, liefert der Hintergrundtext weiteres Material. Allerdings müssen manche Argumente auch hier indirekt abgeleitet werden. So wäre nach deutschem Recht (Recht am eigenen Bild) eine umfassende Videoübertragung in einen öffentlichen Kanal praktisch nicht umsetzbar. Überhaupt wird bei der Frage des „Teilens“ von Informationen oft vergessen, dass damit auch die Rechte und Interessen dritter berührt werden.

Lösungsmöglichkeit für eine Tabelle

Tabelle zur Diskussion Transparenz vs. Privatsspäre.

Begriffliche Verknüpfungen

Der Wunsch nach einer weltweiten Videoüberwachung durch „SeeChange“ wird mit positiven Begriffen verknüpft, während das Beharren auf Privatsphäre mit negativen Assoziationen verbunden ist. Diese sprachliche „Einnebelung“ wirkt suggestiv.

Umfassende Videoüberwachung: Transparenz, Offenheit, Aufgeschlossenheit, Modernität, Klarheit, Zukunft, Sicherheit, Nähe

Privatsphäre: Dunkelheit, Geheimnis, Verbrechen, Schuld, Egoismus

Arbeitsmaterial D 9

Die Idee der Privatsphäre

Arbeitsmaterial D 9 kann als Teil des umfassenden Aufgabenplans in D 8 verwendet, aber auch eigenständig bearbeitet werden.

Lösungsmöglichkeit zur Frage nach fünf Thesen:

1. Das Recht auf Privatsphäre wurde über einen langen Zeitraum hinweg erkämpft und ist heute Bestandteil grundlegender Bürgerrechte.

2. Es besteht aus verschiedenen Teilaspekten (Wohnung, Kommunikation, familiärer Umgang, Daten und Bilder).

3. Autoritäre Regierungen versuchen immer wieder, das Recht auf Privatsphäre zu untergraben.

4. Das Recht auf Privatsphäre steht in einem Spannungsverhältnis zu anderen Interessen: private Daten werden für die Kriminalitätsbekämpfung oder zur Optimierung von Werbung gesammelt.

5. Die Hergabe privater Daten im Internet ist heute Alltagsrealität und führt dazu, dass manche Menschen die Vorstellung von Privatsphäre insgesamt in Frage stellen.

Bewertung

Mögliche Positionen reichen von einem umfassenden Datenschutz, dem sich alle digitalen Strukturen und Vernetzungen unterordnen müssen, bis hin zu radikalen Post-Privacy-Positionen, die auf der Basis der Digitalisierung einen gesellschaftlichen Umbruch und die Auflösung der Privatsphäre vorantreiben.

Einordnung

Das Projekt "SeeChange" wäre ein eklatanter Eingriff in die Privatsphäre und nach geltendem (deutschen) Recht praktisch nicht durchführbar. Dieser Diskurs wird im Film nur in Ansätzen geführt. Die Auswirkungen missbräuchlicher Nutzung von privaten Bildern in Verbindung mit weltweiten sozialen Netzwerken kommen in der Episode zum Ausdruck, die zum Tod Mercers führt. Zudem wird deutlich, dass die Firmenchefs die Veröffentlichung interner Mails als Affront empfinden. Es kann vermutet werden, dass die vermeintlich wohlmeinenden Intentionen hinter Projekten wie „SeeChange“ dadurch in Frage gestellt werden.

Arbeitsmaterial D 10

Das Filmende verstehen

Filmende deuten

Der Film endet auf eine interessante Art offen. Nach dem Tod Mercers hätte man vermuten können, dass sich Mae mit Ty verbündet und die Strategien der Unternehmensführung zerstört. Tatsächlich stellt sie Bailey und Stenton bloß, aber von einem Bündnis mit Ty ist keine Rede. Im Gegenteil bewegt sich Mae in entgegengesetzter Richtung und propagiert totale Transparenz. Während sie im Roman von Dave Eggers die Kontrolle über das Unternehmen an sich reißt, bleibt das Schlussbild im Film vage. Es signalisiert, dass Mae ihre Rolle als Social Media-Ikone wieder übernommen hat, verrät aber nichts über ihre Ambitionen im Unternehmen. Es wendet die dystopische Vision der totalen Kontrolle ins Normale um und wirkt auf manche Zuschauer/innen dadurch besonders beklemmend.

„Gereifte Heldin?“

Mae hat sich den Herausforderungen des Unternehmens Circle gestellt und das, was sie zunächst als Zumutung empfand, in ihr eigenes Leben integriert. Sicher ist sie am Ende des Films abgeklärter. Trotzdem wird es vielen Zuschauern/innen schwer fallen, sie als gereifte Heldin zu betrachten. Nach dem Tod Mercers kann die Erwartungshaltung aufkommen, dass sie über das Zustandekommen des Unfalls und ihrem eigenen Anteil daran nachdenkt und möglicherweise den Schluss zieht, sich auf die Seite Tys zu stellen und das Unternehmen auf einen guten Weg zu bringen. Erwartungsgemäß bekämpft sie die Unternehmensführung, geht aber auf eine überraschende Weise noch weiter. Anstatt die zwei Seiten ihres bisherigen Lebens zu verbinden, bezieht sie, mit Blick auf den Circle, eine radikale Position.

Arbeitsmaterial D 11

Videobotschaft: Den Film bewerten

Bei einem Film, der sich mit der Mediengesellschaft beschäftigt, liegt es nahe, eine mediale Umsetzung der Filmbewertung durchzuführen. Die Schüler/innen können bei dieser Aufgabe auch mit ihren eigenen Smartphones arbeiten. Für eine gute Qualität ist die Verwendung von Stativen und externen Mikrofonen zu empfehlen. Alternativ kann eine Rezension oder eine Stellungnahme zu der Frage verfasst werden, ob der Film in ein Schulcurriculum aufgenommen und allen Schulklassen gezeigt werden sollte.